© Philipp Bohn

Weinwissen

2000 Jahre Weinkultur

Schon in der Antike kelterten an der Mosel Winzer ihre Trauben. Sie waren im Gefolge der Legionen gekommen, die Teile der germanischen Gebiete erobert hatten. Das nahe Trier war eine Weltstadt – entsprechend hoch war der Bedarf an Wein. Einem schon von den Römern geschätzten Getränk.

Der Wein ist die Poesie der Erde.

Mario Soldati

© Philipp Bohn

Wissen Sie schon,...

...seit wann an der Mosel Weinbau betrieben wird?

Schon in der Antike kelterten an der Mosel Winzer ihre Trauben. Sie waren im Gefolge von Cäsars Legionen gekommen, die das Moselgebiet im Zuge der gallischen Kriege erobert hatten. Trier, die erste Stadt im heutigen Deutschland, entwickelte sich zur Kaiserresidenz und Weltstadt – entsprechend hoch war der Bedarf an Wein, einem schon von den Kelten und Römern hoch geschätzten Getränk. Somit kannst du an der Mosel 2.000 Jahre Weinkultur erleben.

...wie viele Weinlagen es an der Mosel gibt?

Das Anbaugebiet ist weinrechtlich in sechs Bereiche unterteilt: Burg Cochem (Terrassenmosel von Koblenz bis Zell), Bernkastel (Mittelmosel von Briedel bis Trier), Saar, Ruwer, Obermosel (Mosel ab Trier bis zur Grenze der Bundesländer Rheinland-Pfalz und Saarland) und Moseltor (Moselbereich im Saarland bis zur deutsch-französischen Staatsgrenze). Obermosel und Moseltor bilden landschaftlich eine einheitliche Region, die "Südliche Weinmosel". Diese Bereiche untergliedern sich in 19 Großlagen sowie rund 520 Einzellagen. Gar nicht so leicht, da den Überblick zu behalten…

...wieviel Prozent der Rebflächen des Weinanbaugebiets sich in Steillagen befinden?

Etwa 40 Prozent der Rebflächen an Mosel, Saar und Ruwer befinden sich an den steilen Hängen der Flusstäler. Weinberge mit einer Hangneigung von mehr als 30 Prozent gelten als Steillagen. Die Moselregion ist mit ca. 3.500 ha Weinbergen in Steillagen das größte Steillagenweinbaugebiet der Welt.

...wie der steilste Weinberg Europas heißt?

An der Mosel befindet sich der steilste Weinberg Europas, der Calmont zwischen Bremm und Ediger-Eller, mit bis zu 68 Grad Hangneigung. Hast du Lust, den Mount Everest der Moselweinberge zu erklimmen? Der Calmont Klettersteig führt dich auf schmalen Pfaden, über Leitern und an Stahlseilen, entlang von Felskanten durch den Weinberg und belohnt dich mit einer atemberaubenden Aussicht auf die Mosel.

...welche Rebsorte der absolute Liebling der Moselwinzer ist?

Das Weinanbaugebiet Mosel ist vom Weißwein geprägt. Mehr als 91 Prozent der Rebfläche sind mit weißen Sorten bestockt. Riesling ist mit 62 Prozent die wichtigste Rebsorte an Mosel, Saar und Ruwer. In den Bereichen Saar und Ruwertal liegt ihr Anteil mit rund 83 bzw. 88 Prozent wesentlich höher als im Gesamtgebiet. Die „Königin der weißen Reben“ eignet sich besonders gut für den Anbau in den Schiefer-Steillagen der Flusstäler von Mosel, Saar und Ruwer. Sie bringt hier aufgrund ihrer sehr langen Reifephase mineralische, feinfruchtige, elegante und langlebige Weine hervor. Daneben sind Müller-Thurgau, Weißer Burgunder und Spätburgunder sowie die Mosel-Spezialität Elbling wichtige Rebsorten der Region. Hast du schon deinen persönlichen Favoriten unter den Rebsorten gefunden? Bei einer Weinprobe kannst du die ganze Vielfalt der Moselweine kennenlernen.

...welche Qualitätsstufen mit Prädikat man beim Wein unterscheidet?

Kabinett heißt die erste Stufe der Prädikatsweine, gefolgt von Spät- und Auslese. Für Kabinett werden die reifen Trauben früher geerntet, mit weniger Mostgewicht, da dieses Prädikat sich durch Weine mit niedrigem Alkoholgehalt und frischer Säurestruktur auszeichnet. Spätlesen werden aus hochreifen Trauben gewonnen, bei Auslesen werden einzelne Beeren „ausgelesen“. Raritäten sind die Beeren- und Trockenbeerenauslesen, die aus eingetrockneten Beeren hergestellt werden. Hier spielt die Edelfäule, Botrytis, eine wichtige Rolle, denn dieser Pilz befällt die Trauben im Herbst und entzieht ihnen Wasser. Fruchtsüße und andere Inhaltsstoffe werden konzentriert. Eiswein wird aus am Rebstock gefrorenen Trauben gekeltert, so dass ebenfalls der Wasseranteil in den Beeren reduziert wird.

...warum Moselweine so mineralisch schmecken?

Die Antwort liegt in der Bodenbeschaffenheit, die besonders prägend für den Moselwein ist. An der Mosel wird diese vom Schiefer dominiert. Diese Schieferböden speichern tagsüber die Wärme und geben sie nachts wieder ab. Der feine Verwitterungsschiefer verrottet ständig und liefert dem Boden Mineralien wie Kalium, Calcium und Magnesium. Die Rebwurzeln transportieren diese Mineralien in die Frucht. Deshalb schmecken die Weine aus den Schiefersteillagen an der Mosel besonders würzig und mineralisch.

...wie die Perlen in den Sekt kommen?

Sekt entsteht, wenn im Wein eine zweite Gärung stattfindet. Dazu wird dem Grundwein Hefe zugesetzt, die den im Wein verbliebenen Restzucker in Alkohol umwandelt. Dabei wird auch Kohlensäure freigesetzt, die im Sekt erhalten bleibt: So entstehen die feinen Bläschen, die den Charakter des Schaumweins ausmachen.

Mindestens neun Monate lang muss der Winzersekt auf der Hefe lagern, für den Crémant sind zwölf Monate Hefelager vorgeschrieben. Um die Hefe aus dem Rohsekt zu entfernen, werden die Flaschen in speziellen Rüttelpulten gerüttelt. Die Hefe, die sich zunächst an der Wand der liegenden Flasche abgesetzt hatte, wandert dadurch in den Flaschenhals. Zum Entfernen der Hefe wird der Flaschenhals eingefroren. Wenn dann der Kronkorken entfernt wird, schießt durch den Kohlensäuredruck in der Flasche der Eispfropfen mit der Hefe aus der Flasche heraus. Dieser Vorgang wird Degorgieren genannt. Die folgende Dosage – der Zusatz eines mehr oder weniger süßen Weines – ersetzt die beim Degorgieren verlorene Flüssigkeit und dient dazu, die Geschmacksrichtung des fertigen Sektes festzulegen.

...welcher Wein dein persönlicher Lieblingswein ist?

JA? Dann freuen wir uns mit dir, dass du deinen Lieblingswein schon gefunden hast!

NEIN? Worauf wartest du noch? Tauche ein in die wunderbare Welt des Moselweins! Hier findest du ganz bestimmt auch einen Wein, der zu dir passt und dich ins Schwärmen geraten lässt. Zum Beispiel bei einer Weinprobe in einer unserer Vinotheken oder Weingüter. Hier lernst du die Winzerin oder den Winzer gleich persönlich kennen und erfährst aus erster Hand, wie viel Arbeit in einer Flasche Wein steckt. Vielleicht entdeckst du ihn aber auch beim Abendessen im Restaurant oder auf einer unserer Veranstaltungen. Möglichkeiten gibt es bei uns an der Mosel mehr als genug... Und wenn er sich dann zu Hause am Küchentisch bewährt und dich genauso glücklich macht wie während deiner Moselreise, dann weißt du, dass du ihn gefunden hast: deinen Lieblingswein!

Durch die Epochen

Die keltischen Einwohner der Region schätzten bereits um 500 v. Chr. den Wein als Genussmittel. Um 50 v. Chr. eroberten römische Legionen das Moselland und gründeten im Jahr 17 v. Chr. Trier. Die steigende Nachfrage der wachsenden Bevölkerung der Stadt führte zur Anlage von Rebflächen im großen Stil. Damit begann die Epoche des Weinbaus an der Mosel. Nach dem Ende des Römischen Reiches übernahmen die Klöster als größte Landbesitzer eine zentrale Rolle in der Weiterentwicklung des Weinbaus. Im Hochmittelalter kamen mit den aus Burgund stammenden Zisterziensermönchen auch deren Weinbaukenntnisse ins Moselland und verschafften der Region einen beträchtlichen Wissensvorsprung.

Das Bild zeigt eine Weinrebe, an denen viele Trauben hängen.
© Thomas Becker
Auf dem Bild befindet sich eine Weinrebe im Weinberg. Man sieht schon die Knospen - wie sie sich weiterentwickelt.
© Inge Faust
Auf dem Bild befindet sich das Schild der Weinlage Zeller Schwarze Katz in den Weinbergen.
© Hans-Peter Döpgen

Frühe Qualitätssicherung

Von der großen Bedeutung des Weinbaus für die Region zeugt, dass der letzte Trierer Kurfürst, Erzbischof Clemens Wenzelslaus von Sachsen, im 18. Jahrhundert Maßnahmen zur Förderung des Qualitätweinbaus verfügte: Minderwertige Reben ließ er roden und durch bessere Sorten, vor allem durch Riesling ersetzen, eine Entscheidung, die das Gebiet bis heute prägt. Nach der Französischen Revolution brachte die Enteignung kirchlicher Güter das Ende des klösterlichen Weinbaus. Zugleich entstand eine frühe Form des Weintourismus: Englische Künstler ließen sich von der dramatischen Landschaft und den edlen Weinen an die Mosel locken, unter ihnen einer der bedeutendsten romantischen Maler: William Turner. Hier schuf er etliche Aquarelle und Gouachen, die heute in der National Gallery in London zu sehen sind. Auch Goethe beschrieb die Gegend in seinen Werken.

Krise und Blütezeit des Mosel-Rieslings

Nach dem Ende der Napoleonischen Ära 1815 brachte die repressive Handelspolitik des Königreichs Preußen in den 1830er Jahren viele Weinbauern an den Rand der Existenz. Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts erlebte der Weinbau an der Mosel, nicht zuletzt aufgrund der Förderung durch den Preußischen Staat, wieder eine große Blütezeit. Seine Steillagen-Rieslinge waren die begehrtesten und teuersten Weißweine der Welt. Man trank sie an den Höfen der Monarchen von London bis St. Petersburg in den Spitzenrestaurants von Berlin bis Paris. Die besten Rieslinge der Mosel waren bis zu fünfmal teurer als die Spitzenweine aus Burgund.

Auf dem Bild befindet sich ein Erntewagen mit einem Erntehelfer der seine Traubenbütte entleert. Der Himmel ist sehr blau und die Sonne strahlt.
© Inge Faust
Auf dem Bild befindet sich ein Weinberg bei tollem Wetter. Die Erntehelfer sind dabei die Trauben zu lesen.
© Inge Faust
Das Bild zeigt mehrere Weingläser, die gerade mit Wein befüllt werden.
© Philipp Bohn

Fortschritt und Erbe

Nach dem Zweiten Weltkrieg sorgten die große Nachfrage nach fruchtigen Weißweinen und die Ausdehnung des Weinbaus in flache Tallagen für eine gewaltige Steigerung der Weinproduktion an der Mosel – mitunter auf Kosten der Qualität. Die Rebfläche wuchs von 7.500 Hektar Ende der 1950er auf 12.300 Hektar Anfang der 1990er Jahre. Seitdem ging die Anbaufläche auf heute 8.743 Hektar zurück. Heute besinnt sich eine neue Winzergeneration wieder auf die ursprünglichen Stärken der Region: Lange nicht genutzte Steilhänge werden mit Riesling und Burgundersorten bestockt und in Handarbeit gepflegt. Die internationale Ausbildung der ehrgeizigen Jungwinzer und die charakteristische Kombination aus Schiefergestein, Mikroklima und Rebsorte bringen wieder weltweit begehrte mineralische Weine von singulärem Charakter und ausgesprochener Eleganz hervor.

© Inge Faust

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14.04.2021
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