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In 108 Tagen

Fortuna Ehrenfeld - Die Rückkehr zur Normalität

Live-Konzert. Tickets zum Preis von 26,30 € sind bei der Saar-Obermosel-Touristik in Konz und Saarburg erhältlich.

FORTUNA EHRENFELD UND DIE RÜCKKEHR ZUR NORMALITÄT

Drei Platten, eine EP, ein französischsprachiges Album, hunderte Konzerte: Was Fortuna Ehrenfeld seit 2016 abgeliefert und erreicht haben, ist erstaunlich. Und es gibt einem Hoffnung. Denn eine Welt, in der eine so krude wie selbstbewusste Mischung aus Pop und Poesie, aus Tresen und Tanzfläche, aus Melancholie und angetäuschtem Dachschaden ein Publikum findet, kann so am Arsch dann doch wieder nicht sein. Die Fans des Trios haben sich vermehrt wie die Karnickel im Kölner Blücherpark, und das wird sich auch mit der neuen Platte „Die Rückkehr zur Normalität“ nicht ändern. Fortuna Ehrenfeld haben sich, ihren Sound und ihre Sprache gefunden. Mit Jannis Knüpfer ist zwar ein neuer Schlagzeuger und Elektronik-Professor an Bord, aber ihrer Idee und ihrem Stil bleiben sie treu. Schon mit den Vorgängeralben „Hey Sexy“ und „Helm ab zum Gebet“ sowie den dazugehörigen Tourneen haben sie ihr Revier abgesteckt und sich etabliert als Band, die so klingt wie keine andere. Daran ändert sich auch mit „Die Rückkehr zur Normalität“ nichts. Die Band bleibt unverkennbar, hat aber musikalisch und stilistisch ein paar neue Pfeile im Köcher. Zum Beispiel bei „Das Imperium rudert zurück“. So soulig hat man sie noch nie gehört. Ein Paukenschlag, der diese Optimisten-Hymne, die den Instinkt und das Machenstatt- Bereuen feiert, mit dem Extraguss Zucker verziert und einen darüber sinnieren lässt, ob aus diesem heimlichen Hit vielleicht sogar ein unheimlicher werden kann. Mit Charts, Großstadtradio und all dem Sha-la-la. Auch die Off-Beats im Titellied sind eine neue Farbe in der Fortuna-Palette, die man unbedingt auch live über den Kopf gekippt bekommen will, und am besten gleich eimerweise. Wenn man dann noch zum schön ballernden Elektro bei „Glitzerfummel, Moonboots“ skippt oder zum NDW-Schlager-Punk von „Die panamoralische Liebe“, bleiben keine Fragen offen. Außer dieser: Auf wie viele Arten wollen die einen eigentlich zum Tanzen bringen? Man kann sich den Spaß, den die Truppe bei den Aufnahmen hatte, richtig vorstellen. Und auch die Freude darauf, diese angeschrägten Dance-Nummern bei nächster Gelegenheit live zu präsentieren. Nicht zuletzt wegen dieser Songs ist „Die Rückkehr zur Normalität“ die perfekte Musik zur Zeit.

Beziehungsweise: Die perfekte Musik zur Zukunft. Wenn irgendwann der Sommer kommt, wenn die Euphorie steigt und die Inzidenz sinkt, dann ist diese Platte der Soundtrack, der das Corona-Vakuum füllt. Mit guter Laune. Mit gefährlichen Ohrwürmern. Und wie gewohnt mit ein bisschen Wahnsinn. Denn so ganz lässt sich dieses verlorene Jahr natürlich nicht aus dem Kleidern klopfen. Alle haben gelitten, alle haben ihre Narben davongetragen. Zum Beispiel die Kneipen-Besetzung, die in „Die Durchnummerierten im Irish“ am Tresen hängt. Nun hat Fortuna-Kopf Martin Bechler schon mehrere Songs dieserArt geschrieben, die ihm zurecht Vergleiche mit Tom Waits eingebracht haben. Allerdings: So präzise, so wahrhaftig und so fesselnd wie bei diesem Song hat er das bislang noch nie geschafft. Hoffnung und Scheitern, Tragik und Humor, Exzess und Vernunft, Chandler und Carver – ein Lied wie eine grandiose Kurzgeschichte. Das Timing, mit dem er hier die Worte setzt und durch Pointen, Brüche und Intonation immer wieder knapp vor dem Pathos- Abgrund die Bremse reinhaut, ist bewundernswert und macht fast so süchtig wie das Benzin, das sich die Protagonisten des Songs wer-weiß-wohin pumpen. Martin Bechler, das wird auf diesem Album erneut deutlich, ist einer der beindruckendsten und eigenständigsten Texter, die sich auf deutschen Bühnen ans Mikro stellen. Als ob es das Leichteste der Welt wäre, reiht er Marmeladenwörter und Porzellansätze aneinander, pendelt zwischen Bananen, Banalem und Philosophischem und hat in jedem Song mindestens eine Falle eingebaut, die sich genau dann auftut, wenn man denkt, man hätte ihn und seinen lyrischen Shtick durchschaut. Bechler ist kein Sprachpanscher, sondern ein begnadeter Wortwinzer, der einen Cuvée herstellt aus Zutaten, die sich sonst keiner zusammenzubringen traut. Kein Wunder, dass Fortuna Ehrenfeld ihren eigenen Wein haben. Auch ihre Popkultur-Hausaufgaben haben sie gemacht. Hier wird Helge Schneider genauso zitiert wie W.C. Fields, finden sich Referenzen auf Oasis, Max Liebermann und George Lucas, muss man mal an Hoffmann von Fallersleben denken und mal an Stephan Remmler. Und dann ist da ja auch noch Jenny Thiele, die Geheimwaffe von Fortuna Ehrenfeld: Auf der Bühne bildet sie schon länger den Gegenpol zu Bechlers schlafanzügigen Eskapaden, nun wird auch auf Platte immer deutlicher, dass die Tage von Fortuna Ehrenfeld als Ein-Mann-Projekt lange vorbei sind. Das hier ist eine Band – und was für eine! Zehn Songs, knapp 36 Minuten – mehr braucht es nicht für diese nächste Runde auf der Fortuna-Achterbahn: Der erste Song montiert den wüsten Fußballslogan „Arschloch, Wixer, Hurensohn!“ in einen Abschiedsgruß aus Bittermandel, der letzte namens „Accidental Orange“ erzeugt eine Zusammenbruchsstimmung mittels leicht betretener Alltagsmetaphysik und Moralfragen in Moll. Und dazwischen ist viel Platz für alles andere, was das Leben lebens- und das Singen singenswert macht. Steht hier der Spaß im Mittelpunkt? Oder doch der Ernst? Das soll, kann und muss jeder für sich selbst beantworten. Eine Sache steht fest: Ein Album wie „Die Rückkehr zur Normalität“ muss man sich erst einmal trauen. Aber fehlender Mut war ja noch nie das Problem bei einer Band, deren Sänger sich im Schlafanzug und mit Bärentatzen auf die Bühne stellt. Bechler hat seine „Reisegruppe Seltsam“, die er vor vier Jahren für „Das letzte Kommando“ gegründet hat, inzwischen zur „Panamoralischen Liebe“ hochgeschraubt, die nach nicht weniger strebt als nach der friedlichen Machtübernahme. Wofür genau? Das wisse er noch nicht, grinst er. Eines steht aber fest: Wenn Panorama und Amoral zusammenkommen, glitzert die reibungsvolle Patina von Fortuna Ehrenfeld mal wieder unverkennbar im Sonnenuntergang. Worum geht es Fortuna Ehrenfeld? Wer diese Band begreifen will, sollte sich „Anleitung zum Sha-la-la“ anhören. Doch nicht nur in diesem für das Album essenziellen Song, sondern auch in einem ausführlichen Begleitbuch, das Bechler als „hedonistischen Leitfaden für ein achtsames, inspiriertes Leben“ ankündigt, wird die Fortuna-Mission deutlich. Und spätestens jetzt ist klar: Da kommt so einiges auf uns zu.

Live-Konzert. Tickets zum Preis von 26,30 € sind bei der Saar-Obermosel-Touristik in Konz und Saarburg erhältlich.

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